Discussion:
Tracks von Hörbüchern zusammen fassen
(zu alt für eine Antwort)
Stefan Kalepp
2018-08-27 14:13:37 UTC
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Hallo,

viele Hörbücher sind ja in eine unzählige Anzahl von MP3-Tracks zerlegt.
Aktuelles Beispiel eines Krimis sind bei mir 193 Tracks, die mir in
iTunes die ganze Anzeige "zumüllen".
Früher hatte man einen Track pro CD.

Spricht eigentlich etwas dagegen, sich die Tracks wieder zu 74
Minuten-Tracken zusammen zu fassen (benutze MP3-Trimmer auf dem Mac)?

Oder hat man sich etwas dabei gedacht, so viele Einzeltracks zu haben?

Viele Grüße,
Stefan
Detlef Wirsing
2018-08-27 15:04:34 UTC
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Post by Stefan Kalepp
Hallo,
viele Hörbücher sind ja in eine unzählige Anzahl von MP3-Tracks zerlegt.
Aktuelles Beispiel eines Krimis sind bei mir 193 Tracks, die mir in
iTunes die ganze Anzeige "zumüllen".
Früher hatte man einen Track pro CD.
Spricht eigentlich etwas dagegen, sich die Tracks wieder zu 74
Minuten-Tracken zusammen zu fassen (benutze MP3-Trimmer auf dem Mac)?
Meiner Meinung nach nichts, solange man die Übergänge nicht hört. Es
gibt Programme, welche die entstehenden kurzen Pausen verlustfrei
löschen. Störend sind diese eher bei Hörspielen als bei Lesungen.
Post by Stefan Kalepp
Oder hat man sich etwas dabei gedacht, so viele Einzeltracks zu haben?
Ich nehme an, dass man dem Käufer ermöglichen möchte, nach einer Pause
möglichst einfach an einer bestimmten Stelle wieder einzusetzen. Das
können die meisten Player aber auch ohne Tracks.

Mit freundlichen Grüßen
Detlef Wirsing
Christian Müller
2018-08-27 15:53:09 UTC
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Post by Stefan Kalepp
Aktuelles Beispiel eines Krimis sind bei mir 193 Tracks
Ein Mord und 192 mögliche Täter?
Ist in den Begleitinformationen zu dem Hörbuch eine Erklärung
zu finden, warum es so viele "Kapitel" hat?
Post by Stefan Kalepp
Früher hatte man einen Track pro CD.
Ein durchgehend, also ohne Lücken, abspielbarer CD-Audio-Track
lässt sich genauso mit Trackmarkierungen versehen, wie man es
von Musik-CDs kennt.
CD-Audio war also kein Nachteil gegenüber mp3 - bis auf die
begrenzte Spielzeit.
Post by Stefan Kalepp
Spricht eigentlich etwas dagegen, sich die Tracks wieder zu 74 Minuten-Tracken zusammen zu fassen
Eine 74-Minuten-Grenze gibt es nur bei der CD-Audio.
Wenn das Ausgangsformat in mp3 vorliegt, spricht nichts dagegen,
dass die zusammengeführte Datei eine höhere Spieldauer hat,
denn in einem CD-DA-Spieler kannst du die originale Datei ja eh
nicht abspielen.


Gruß Christian
Marcel Mueller
2018-08-28 05:35:56 UTC
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Post by Stefan Kalepp
viele Hörbücher sind ja in eine unzählige Anzahl von MP3-Tracks zerlegt.
Aktuelles Beispiel eines Krimis sind bei mir 193 Tracks, die mir in
iTunes die ganze Anzeige "zumüllen".
Früher hatte man einen Track pro CD.
Letzteres kann ich nicht bestätigen. Wir haben viele Hörbücher. Nicht
eines davon hat einen Track pro CD. Üblich ist allenfalls ein Track pro
Kapitel. Manchmal aber auch mehrere.
Post by Stefan Kalepp
Spricht eigentlich etwas dagegen, sich die Tracks wieder zu 74
Minuten-Tracken zusammen zu fassen (benutze MP3-Trimmer auf dem Mac)?
Das ist letztlich alles Geschmackssache.

Technisch gesehen gibt es dabei ein paar kleinere Hürden.

Da wären zuerst die /Metadaten/. Jede Datei hat ihre eigenen, z.B. den
Kapitelnamen als Titel. Diese müssen vor dem Verbinden entfernt und
nachher durch /eine/ sprechende Information für die neue Datei ersetzt
werden.

Wenn man die Metadaten gestrippt hat, kann man sich den MP3
Header-Frames zuwenden. Das erste Frame einer Datei enthält oft (aber
nicht immer) einen Xing- oder Lame-Header. Diese beschreiben entweder
Seekpositionen für VBR MP3s (Xing) oder Encoderlatenz und exakte
Dateilänge in Samples (Lame).
Auch diese Frames müssen vor dem Zusammenfügen entfernt werden, sonst
können sich einige Player bei der Wiedergabe schwer verhaspeln und
möglicherweise nur den ersten (ursprünglichen) Track abspielen.
Gibt es keine Header-Frames, kann man den Punkt überspringen.

Jetzt kann man die "nackten" MP3-Daten einfach binär zu einer größeren
Datei aneinander fügen.
An dieser Stelle sei angemerkt, dass dass zusammenfügen kleine Lücken
zwischen den Tracks in der Größenordnung bis zu 0,025 s einfügt. Das ist
mit vertretbarem Aufwand und ohne Qualitätsverlust nicht vermeidbar. Bei
Hörbüchern stört das aber nicht weiter. Bei Orchesterwerken mit
durchgehender Taktlinie hingegen ist das ein no-go - dafür ist MP3 aber
ohnehin denkbar schlecht geeignet, da es die lückenlose Wiedergabe nur
mit Klimmzügen beherrscht, also bestimmten Kombinationen aus Encoder und
Abspielgerät/Programm.

Naja und jetzt das ganze rückwärts.
Also, falls es VBR Dateien waren (Xing-Header), muss ein neuer erzeugt
werden, sonst springt die angezeigte Dateilänge bei der Wiedergabe auf
unsinnige Werte. Dafür gibt es Programme.
Einen evtl. vorher vorhandenen Lame-Header braucht man nicht
wiederherstellen. Das wäre ohnehin sinnlos.
Und natürlich will man der Datei auch wieder ein ID3V2 Tag mit Metadaten
verpassen. Das können oft dieselben Programme wie die Xing-Header, z.B.
EasyTAG.
Post by Stefan Kalepp
Oder hat man sich etwas dabei gedacht, so viele Einzeltracks zu haben?
Letztlich ist das alles ein Tribut an die Player, sowohl in Software als
auch in Hardware.

Praktisch kaum ein aktueller CD Player kann noch mit Subindexmarken
umgehen, die man bräuchte, um an einer bestimmten Stelle wieder
aufzusetzen. Durch eine ganze CD mit Fast Forward durchzuspulen, ist
außerordentlich nervig.

Und mindestens die Hälfte aller Softwareplayer kann auch nicht nach
einer Pause (mit abschalten) an derselben Stelle wiederaufsetzen, an der
unterbrochen wurde oder vernünftig in einem 80-Minuten oder gar
8-Stunden-Track navigieren.
Last but not least reißt man mit nur /einem/ Track pro Hörbuch, wenn man
Pech hat, sogar die 2GB Dateigröße, womit alle auf dem veralteten FAT32
Dateisystem basierenden Datenträger die Datei gar nicht mehr aufnehmen
können.

Also zerlegt man die Hörbücher in kleine Schnippel, damit man alle paar
Minuten einen Wiederaufsetzpunkt hat.
Das wiederum bringt, wie Du bemerkt hast, manche Mediendatenbanken
durcheinander, die sich wenig um Ordnerstrukturen im Dateisystem scheren.

In meinem Lieblingsplayer ist mir das alles egal. Da ziehe ich den
Oberordner des Hörbuchs rein, und der belegt dann genau /einen/ Slot in
der Playlist. Bei Bedarf kann man den aufklappen und sieht dann erst die
CDs und dann die einzelnen Tracks. Den Abspielpunkt innerhalb eines
Songs einschließlich des Pfades in der darüberliegenden Baumstruktur
kann er sich auch merken, wenn man ihn beendet oder man sich ein
Bookmark auf die aktuelle Position hinterlegt.
Das ist aber die absolute Ausnahme. Die meisten Player können allenfalls
einen Teil der Funktionen.
Aber aus diesem Grund lasse ich einfach alles, wie es ist.

Du wirst aber nach der Umwandlung in große Dateien damit rechnen müssen,
in das eine oder andere Messer zu laufen, wenn Du auf verschiedenen
Geräten wiedergeben willst, wie z.B. auf einem im Auto eingebauten MP3
Player oder einem Smart-TV.


Marcel
Stefan Kalepp
2018-08-30 09:44:00 UTC
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Sehr gut erklärt, vielen Dank!!

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